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Im Frühling 2004 wird in Höhr-Grenzhausen noch einmal zu erleben sein, was vor vielen Jahrzehnten zum Ortsbild dazugehörte: dicke, graue Rauchwolken über einem Kannofenhaus. Fünfzig Jahre ist es her, dass der gewaltige Kannofen der Keramikwerkstatt Böhmer das letzte Mal gebrannt wurde. Er ist der größte von fünf noch erhaltenen Kannöfen in Höhr-Grenzhausen. Nur drei davon sind noch brenntauglich. Einstmals hatte es in Höhr und Grenzhausen zeitweise um die 60 Kannöfen gegeben.

Um den 42 cbm großen Ofen im März 2004 brennen zu können, haben sich viele Keramik-Enthusiasten aus Höhr-Grenzhausen und dem In- und Ausland zusammengefunden. 500 Arbeitsstunden investierten die salzbrandbegeisterten Keramiker in die Sanierung des Ofens. Mehrere Tonnen Feuerfest-Material, gesponsert von Westerwälder Firmen, wurden für die neu vermauerte Ofendecke und die Reparatur der drei Feuerungen verarbeitet. Die originale Innenauskleidung des Ofens, Schluus genannt (eine Mischung aus Ton, Sand und Stroh), konnte weitgehend erhalten werden. Das ist wichtig, denn der komplett glasierte Innenraum des Ofens hat großen Einfluss auf das spätere Aussehen der zu brennenden Keramiken.

Tausende von Töpfen, große und kleine, traditionelle und moderne, Geschirr, Gartenkeramik und Plastiken, von verschiedenen Werkstätten hergestellt, werden nach althergebrachter Weise im Stapelverfahren im Ofen verstaut. Beim Stapelverfahren müssen die Gefäße in Form und Wandstärke so beschaffen sein, dass sie auch größerem Druck standhalten. Ware, die weniger druckstabil ist, wird in stapelbaren Brennkapseln in den Ofen gesetzt.

Das Kleinfeuer wird traditionell mit Briketts (etwa 40 Zentner) angeheizt, dann wird mit Buchenholz (etwa 35 m³) weitergefeuert. Wenn die Endtemperatur erreicht ist und das kann vielleicht mehr als zwei Tage dauern, beginnt die schweißtreibende Arbeit des Salzens. Insgesamt etwa 250 kg Kochsalz werden durch die Seiten- und Deckenzuglöcher in den Ofen gestreut. Dabei entsteht die traditionelle Salzglasur.

Das Ergebnis der Strapazen wird am Aktionstag "Höhr-Grenzhausen brennt Keramik" am 4. April 2004 präsentiert. Dann wird sich zeigen, ob sich das einmalige Experiment, einen 50 Jahre brachliegenden Salzofen wieder in Betrieb zu nehmen, gelohnt hat. Noch kann niemand voraussagen, ob der Brand gelingt. Viele Unwägbarkeiten birgt der alte Ofen. Auch die erfahrenen Brennmeister, die den Brand begleiten, kennen nicht die besonderen Eigenarten des großen Böhmerschen Kannofens.

Die meisten Keramiker haben also absolutes Neuland betreten. Sie durchleben wie die Euler früherer Zeiten die Mühen und Risiken, aber auch die kleinen und großen Freuden beim gemeinschaftlichen Arbeiten so wie es bei diesem uralten, inzwischen niedergegangenen Handwerk schon immer war.

Wir hoffen auf viele lebendige, von Flamme und Salz geprägte Stücke.



Termine/Ort
Höhr-Grenzhausen, Bergstraße 3

18. März 2004:Anstochen
20./ 21. März:Hochfeuer und Salzen
4. April 2004:Präsentation der gebrannten Ware

Teilnehmende Werkstätten:
Charlotte und Sigerd Böhmer, Erika Bühler, Fa. Corzelius, Peter Eichelberg, Fa. Girmscheid, Axel Günther, Martin Goerg, Emil Heger, Claudia Henkel und Francesco Compagno, Arno Hasenteufel, Andreas Hinder, Job Heykamp, Martin Kröger, Sebastian Klose, Bernd Keller, Hans-Peter Kaffiné, Keramikmuseum Westerwald, Eva Muellbauer und Franz Ruppert, Lars Magerkohl, Peter Meanly, Arthur Mueller, Fa. Mühlendyck, Gideon Necker, Alina Penninger, Jens-Peter Planke, Daniela Polz, Achim Rech, Fritz Rossmann, Cordula Repenning, Kyra Spieker und Gerhard Tattko, Armin Skirde, Cornelius Weiss.

 

Sponsoren haben die Arbeiten bisher unterstützt:
Helge Articus, Guntram Böckling, Calliope - Interaktive Medien, Fa. Dr. Ludwig, Staatliche Fachschulen für Keramik, Fa. Helfrich, Stadt Höhr-Grenzhausen, Institut für künstlerische Keramik und Glas, Reinhard Kober, Bernd Keller, Wolf Matthes, Fa. Mühlendyck, Christian Reuter, Fa. Refko Feuerfest, Buchhandlung Reuffel, Fa. Steuler, Fa. Witgert, Fa. Weyer, Mathias Waldeck.



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