Der Brennraum  

50 Jahre wurde der große Kannofen in der Werkstatt von Charlotte und Sigert Böhmer, ehemals Menningen, in Höhr-Grenzhausen nicht mehr gebrannt. Und über 20 Jahre ist es her, daß der letzte große Kannofen in traditioneller Weise in der inzwischen leider abgerissenen Höfer-Töpferei gebrannt wurde.
Nachdem Familie Böhmer in jahrelanger Arbeit und mustergültiger Weise Wohnhaus, Werkstatt, Hof und Ofenhaus saniert haben, ist es nun an der Zeit, am Kannofen weiterzumachen, um ihn anschließend zu brennen.
Angespornt wurden Sie dabei von Jens-Peter Planke. In Lenzen in Mecklenburg fertigt er in authentischer Weise im großen Holzofen Bunzlauer Braungeschirr. Er möchte eine Hälfte des Ofens mit grau-blauer Ware im ursprünglichen Stil füllen und damit sein Sortiment mit der Westerwälder Tradition erweitern.
Die Idee hat anschließend auch bei vielen Kollegen in Höhr-Grenzhausen Begeisterung ausgelöst. Neben großherziger Hilfe in jeder Beziehung füllen sie mit ihren Töpfen und Plastiken die andere Hälfte des Ofens.
Im Jahr 2003 ist mit der Sanierung des Ofens begonnen worden, im Winter 2003/04 muß dann der Ofen gefüllt werden. Der Brand ist zu Ostern 2004 vorgesehen. 7 Tage später kann der Ofen geöffnet werden. Neben Freud und Leid, die solche Augenblicke für Töpfer bedeuten, ist jetzt schon gewiß, daß sich die Arbeit für die gemeinsame keramische Sache und die vielen neuen Freundschaften gelohnt hat.



1. Sanierungsabschnitt:

Ofendecke (7.4. bis 12.4.2003)

Mit der Sanierung des Kannofens von Oben nach Unten war die erste Aufgabe die Sanierung der Ofendecke. Dabei war die oberste Steinschicht, in weiten Teilen nur noch Krümel und Staub, wieder fest zu vermauern, lose Steine an den Kanten neu zu setzen und vor allem 41 Zuglöcher mit feuerfestem Zement neu zu gießen. Während der Bauarbeiten stellte sich heraus, daß vier Haltestangen von Ankern vollständig abgerostet waren. Diese Zuganker, die quer durch das Ofengewölbe verlaufen, sollen ein Auseinandertreiben der Ofendecke beim Brand verhindern. An diesen Stellen mussten größere Löcher in den Ofen gestemmt werden, um neue Eisenträger anschweißen zu können.

In dieser Zeit haben tatkräftig zugepackt:
Cordula Repenning, Joachim Ermert (Fa. Girmscheid), Lars Magerkohl (Trialog), Armin Skirde, Claudia Henkel, Alina Penninger, Gideon Necker, Bernd Keller (Fach-schule für Keramikgestaltung), Peter Eichelberg, Achim Rech, Andreas Hinder, Geom. Francesco Compagno, Jens-Peter Planke, Sigerd Böhmer

Sponsoren haben diese Arbeiten unterstützt:

 

2. Sanierungsabschnitt

Brennraum, Feuerungen und Kapseln (20.5. bis 22.5.2003)

Die nächste Etappe war das Herrichten des Brennraumes. Er ist mit einer 10-15 cm dicken Ton-Sand-Strohschicht ausgekleidet, dem Schluus. Durch die lange vergangenen Brände bekam er einen schönen blauen Salz- und Smalteanflug. Stellenweise hatte sich der Schluus von der Ofenwand gelöst, oder an Rissen war er bröselig. Die maroden Stellen waren schnell mit neuem Schluus ausgeflickt. Aufwändiger war da schon das Absaugen des großen Brennraumbodens und das Reinigen der Feuerkanäle unter dem Brennraum. Am Schlondes stank es modrig, als nach 50 Jahren die 3 Aschengruben ausgeleert wurden. Nach dem Herausnehmen der 1,50 m langen Roststäbe waren die Feuerungen begehbar.

Nun konnte hier der (nur ca. 5 cm dicke) Schluus abgeschlagen werden. Kraftaufwändig war das Anschmeißen der neuen Schluusschicht in der großen Enge. Die Feuertüren schließen nun auch wieder gut. Am letzten Tag fuhren vier Herren nach Ransbach-Baumbach in die Töpferei von Reiner Helfrich. In einer alten Steinzeugröhrenfabrik mit 140 m3-Brennofen stellt er sehr große Pflanzgefäße her. Beste Bedingungen, um an der dortigen Röhrenpresse große Kapseln und später noch andere Brennhilfsmittel zu pressen. Dankenswerterweise brennt Reiner Helfrich einen Teil der Kapseln in seinem Ofen, damit sie vor dem Besatz die nötige Stabilität bekommen.

Mitwirkende beim 2. Sanierungsabschnitt
Kyra Spieker, Achim Rech, Bernd Keller, Cornelius Weiss, Axel Günther, Emil Heger, Sebastian Klose, Claudia Henkel, Gideon Necker, Jens-Peter Planke, Charlotte und Sigerd Böhmer





Über 40 Raummeter besten Buchenholzes sind für den dreitägigen Brand bis zur Endtemperatur von ca. 1180°C nötig. Eigentlich fing damit im Winter 2001/02 die Arbeit an, denn es muß mind. 2 Jahre trocknen. Inzwischen ist mit einem großen, alten Holzknacker ein Teil des Holzes in dünne Scheite gerissen. 15 Raummeter davon kamen dankenswerter weise als Sachzuschuß aus den städtischen Wäldern Höhr-Grenzhausens.

 

Zur Geschichte:
1864  erster Eintrag ins Handelsregister für das Grundstück Bergstr. 3. Sicherlich gab es aber schon vorher Eulerbetriebe an dieser Stelle, vermutlich auch einen älteren Kannofen
ca. 1870 Bau des jetzigen Kannofens
1954 letzter Brand und Erlöschen der Eulerei Menningen
ab 1994 Sicherung und Sanierung der Bausubstanz

Und die Bücher zum Thema:
Heribert Fries: Kurrimurri: Erinnerungen an die Kannenbäcker von Höhr-Grenzhausen, 1993
Werner Baumann: Euler, 1983

Charlotte und Sigerd Böhmer,
Bergstr. 3, 56203 Höhr-Grenzhausen
Tel./Fax 02624-5110

Jens-Peter Planke, Töpferhof Lenzen,
Waldstr. 11-12, 19406 Lenzen
Tel./Fax 038481-20074, www.brauntoepferei.

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